Hilft es, wenn man als Zauberer aussieht wie der Idiot?

11. Oktober 2009 | Von Peter Bold | Kategorie: Theorie des Zauberns, Zauberschule

Stellen wir uns einmal zwei Herren vor, die sich im Alter für Enkel oder zumindest doch schon recht erwachsenen Kinder befinden. Einer von beiden macht sich ein hübsches Flechtzöpfchen aus den Resten seiner Halb- bis Dreiviertelglatze, rasiert sich hübsche Muster in den kräftig nachgefärbten Bart und tüncht sein Gesicht in dezentem Mondweiß. Der andere beschließt, sein nicht mehr ganz zur Körpergröße passendes Gewicht sei wohl am besten in Radlerhosen, kniehohen Stiefeln und regenbogenfarbenen Kimonos aufgehoben.

In der Welt der Menschen gibt es einen einfachen Fachbegriff für Kostümträger dieser Art: Peinlich. In der Welt der Zauberkunst nennt man sie einfach Max Maven und Jeff McBride.

Beide sind hervorragende, wenn nicht sogar an die Genialität grenzende Zauberkünstler. Beide sind mit einer auf den Rücken gebundenen Hand besser als ich in Topform.

Also, warum pinkle ich ihnen gleich zu Beginn eines Artikels ans kostümbewährte Beinchen, nur weil sie aussehen, wie Jediritter auf LSD?

Ganz einfach, ich sah auch schon so ähnlich aus.

Als Jason’d F. Brimstone (Magie für alle Jahreszeiten) mit orangefarbenem (!) Trenchcoat, Piratenkopftuch und Handschuhen. Dieser Charakter entstand als ich 15 Jahre alt war, durch entweder zu viel oder zu wenig Nachdenken. Da bin ich mir bis heute noch nicht ganz sicher. Der Name zum Beispiel enthält getreu des Showmottos die Anfangsbuchstaben aller Monate. Ich führte im gleichen Programm die Reisschalen und den Kugelfang vor (der übrigens auch gleich bei der Premiere schief ging, aber davon, und wie ich herausfand, dass Salzsäure wirklich recht salzig schmeckt, handelt ein anderer Artikel).

Was mich bei diesem Programm aber am meisten zum nachdenken brachte war, warum mich alle, auch wenn alles glatt lief, immer ansahen wie… na wie… na halt wie einen kompletten Idioten.

Das machen die Leute bei Jeffo doch auch nicht. Oder? Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber ganz viele schon. Vor allem, wenn er nicht auf der Bühne, sondern vielleicht im Flughafen so rumläuft. Da liegt nämlich der Hauptunterschied. Menschen, die auf der Bühne so rumlaufen, sind meist nicht peinlich, sondern Schauspieler. Und auch da gibt es noch eine gewisse Schnittmenge. Die meisten von uns arbeiten nun aber nicht auf Bühnen, sondern in Restaurants, Hotels, Messeständen und ähnlichem.

Das einzige, was man dort mit einem Faschingskostüm erreicht, ist, außer dem gewollten ersten Hingucken, eine Distanz zum Zuschauer. Diese Distanz beruht auf der Andersartigkeit. Und man kann es drehen, wenden und bedauern wie man will, im ersten Moment macht einen anders sein nur in den seltensten Fällen sympathischer und zu einem gleichwertigen Gesprächspartner…

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