Na komm, komm, kommst du!
11. Oktober 2009 | Von Peter Bold | Kategorie: Theorie des Zauberns, ZauberschuleWie schon Topas so schön festgestellt hat, ist eines der Haupunterscheidungsmerkmalen zwischen anderen Theaterformen und der Zauberkunst, dass bei uns Zuschauer auf der Bühne aktiv mit ins Geschehen einbezogen werden.
Dazu müssen die Zuschauer allerdings erst mal auf die Bühne kommen. Dabei sieht man oft recht lustige Szenen. Wie z.B in einer Show von Hans Klok bei dem Okito-Trick mit der Bon Bon- Kette.
Hans: „Wurdest duu miar bei die näichste Trick auf die Bühne chelfen?“
Kind: „Äh, nö.“
Hans: „Aber duu willst miar bestimmt chelfen, oda?“
Kind: „Mm, Mm.“
Hans: „Und duu?“
Kind: „….“
Hans: „ Ja sei isch denn aus wie Michael Jackson? Dann machen wir jetzt dia naichste Illusjion.“
Da hat er mir dann doch ganz groß Leid getan der Hans. Damit euch das bei Tricks mit Zuschauerbeteiligung nicht auch so geht, habe ich in „Deines Deines Meines“ schon mal darüber geschrieben, wie man Zuschauer gut auf die Bühne bekommt.
Mal wieder Werbung in eigener Sache: „Deines Deines Meines“, der Bank Night Effekt ohne Umschläge, kommt bald wieder zu den Händlern eures Vertrauens. Für eure persönliche Erfolghaftigkeit im Umgang mit Zuschauern hier schon mal der Auszug. Es geht dabei darum, dass 3 Zuschauer auf die Bühne kommen sollen, um jeweils ein Papierband zu ziehen.
Noch ein paar Tipps zur Vorführung auf der Bühne.
Bitten Sie nach Möglichkeit alle drei Zuschauer gleichzeitig auf die Bühne. Gerade zu Beginn eines Programms wird es Ihnen so bedeutend leichter fallen, die Zuschauer dazu zu bewegen, auf die Bühne zu kommen, weil sie sich in der Gruppe sicherer fühlen.
Diese Technik wir z. B. sehr oft von David Berglas oder Boretti angewendet. Fragen Sie auch nicht, ob die betreffenden Personen auf die Bühne kommen möchten. Das gäbe ihnen nur die Möglichkeit zu widersprechen.
Geben Sie einfach höfliche aber klare Anweisungen, wie: „Die drei Damen ganz links in der ersten Reihe, in wenigen Augenblicken wird jede von Ihnen einen dieser 4 Zettel wählen. Stehen Sie dazu jetzt auf…, während ein großer Applaus Sie auf die Bühne begleitet!“
Mit diesen Worten stellen Sie klar, warum die Damen sich auf die Bühne begeben sollen, noch bevor sie noch dazu aufgefordert werden.
Eine Bitte mit Begründung wird immer leichter angenommen, sogar wenn die Begründung kompletter Unsinn ist (dazu gibt es sogar wissenschaftliche Studien mit Warteschlangen an Kopiergeräten).
Außerdem haben viele Zuschauer Angst davor, auf die Bühne zu kommen, weil sie nicht wissen, was Sie dort machen müssen und ob sie der Aufgabe gewachsen sind. Diese Sorge wird hiermit gemildert.
Anschließend werden die Zuschauerinnen erst dazu aufgefordert, aufzustehen, das fällt leichter als auf die Bühne zu gehen, um dann mit dem Applaus des Publikums zusätzlich unter Druck gesetzt zu werden.
Gruppenzwang und Erwartungshaltungen sind in unserer Gesellschaft zwei der wirksamsten Methoden der Beeinflussung. Und schon stehen die Zuschauer bei Ihnen auf der Bühne.
Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen gemein und nach Psychologischer Kriegsführung an – ist es auch, auf jeden Fall das zweite – aber es funktioniert und erscheint sehr höflich.
Außerdem sind Sie ja Mentalist, da sollte man seine Mitmenschen doch ein wenig unterbewusst beeinflussen – oder?
Auf jeden Fall ist es bedeutend eleganter als nacheinander 25 Zuschauer durchzufragen, die dann alle doch lieber nicht auf die Bühne kommen.