Zauberliteratur II

11. Oktober 2009 | Von Peter Bold | Kategorie: Besprechungen

So weiter geht es mit meinem geplappere zu den tollen Büchern von Sergej Lukianenko. Als erstes, wie sollte es anders sein, nehme ich mir Teil drei vor. Vorsicht übrigens bei den Filmen zu den Büchern sie nennen sich zwar „Wächter der Nacht“ und „Wächter des Tages“ der erste Film ist aber nur eine der drei Geschichten aus dem ersten Buch. Und auch mit dieser Geschichte gibt es nur eine grobe Ähnlichkeit von der Ästhetik her ist der Film allerdings durchweg sehenswert.

Wächter des Zwielichts ist wie schon die ersten beiden Bände in der Wächter-Tetralogie ein hervorragendes Buch. Auch hier werden die Freunde von geschickt gesponnenen Intrigen und überraschenden Wendungen wieder voll auf ihre Kosten kommen. Im Gegensatz zu anderen Autoren führt Lukianenko seine Charaktere selbst so geschickt, dass man, auch nach der Lektüre der Vorgängerbücher, den Ausgang der Ränkespiele nicht antizipieren kann. Hier zeigt sich Lukianenko durchweg anderen Größen wie z. B. Dan Brown gegenüber im Vorteil.

Wächter des Zwielichts fesselt von der ersten Seite an mit klarer Sprache, die gerade bei der Beschreibung der fantastischen Fähigkeiten der Anderen noch genügend Raum für die eigene Fantasie lässt. Besonderen Wert legt der Autor wieder auf die Darstellung der inneren Beweggründe der Hauptpersonen. Insbesondere die Zweifel von Anton Gorodezki, dem jungen Wächter, der nun wieder mehr in den Mittelpunkt der Handlung rückt als in Wächter des Tages, und sein Kampf mit sich selbst, werden hier bedrückend nachfühlbar vermittelt. Der ewige Kampf des Lichts gegen das Dunkel wird zum Ringen mit sich selbst, zum Bestreben Sinn in die Sinnlosigkeit des Daseins zu bringen.

Wer bereits die ersten beiden Bücher gelesen hat (was hiermit dringend empfohlen sein, obwohl die Handlung von Wächter des Zwielicht auch für sich alleine steht) wird viele bekannten Charakteren Widerbegegnen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Rolle der Inquisition, jener Einrichtung, die zwischen den Lichten und Dunkeln vermittelt, um sie im Gleichgewicht zu halten, hierdurch aber auch ein Ende des Konflikts verhindert. Erneut führt uns Lukianenko hier vor Augen, dass es mehr gibt als schwarz und weiß oder sich solche Kategorisierungen vielleicht sogar von selbst verbieten. Wächter des Zwielichts wird somit für mich zu einem der anspruchvollsten Bücher der modernen Fantasy-Literatur und ist dabei doch spannender als mancher Thriller.

Große Freude bereitet Lukianenkos Fähigkeit das Unglaubliche glaubhaft zu machen. Stets liefert er z. B. gute Gründe dafür, dass die übermenschlichen Fähigkeiten der Anderen bisher unentdeckt blieben und auch, warum das überhaupt in ihrem Interesse liegt. Selbst, dass große Ereignisse der menschlichen Geschichte das Werk gesellschaftlicher Experimente gewesen sein sollen, erscheint bei ihm weniger abstrus, als die meisten konventionellen Verschwörungstheorien.

Zusammenfassend kann gesagt werden, Wächter des Zwielichts bietet spannende Unterhaltung in einer fantastischen Welt und regt dabei zum Nachdenken über die eigene Gesellschaft an.

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