Trick der Woche: Zwillingskarte I
Unser erster Trick der Woche kommt aus dem Bereich der Kartenmagie. Das Beste daran ist, dass man ihn vorführen kann ohne schon jahrelang Kartengriffe geklopft zu haben. Es besteht also die Chance, dass ihr diesen Zaubertrick sofort an euren sozialen Kontakten ausprobieren könnt, weil ihr noch welche habt. So wisst ihr auch gleich, dass der Trick gut ankommt, obwohl (oder wie der Fachmann sagt, gerade weil) er sich einer sehr einfachen, stellenweise ja schon unverschämten Technik bedient.
Der Effekt ist ein Klassiker. Der Zuschauer findet aus dem Spiel, oder, wie man inzwischen im Pokerwahn sagt, Karten Deck, die Zwillingskarte einer Spielkarte heraus, die ihr vorher in der Kartenschachtel deponiert habt. Ihr seht also, die erste Bedingung für einen guten Kartentrick ist schon erfüllt. Man kann den Effekt in einem kurzen Satz erklären.
Die Methode ist so einfach, dass bestimmt auch schon jemand vor heute Abend darauf gekommen ist. Jetzt stand ich aber gerade in einer Bar herum, in der noch nicht allzu viele Zuschauer waren, und da habe ich spontan an euch gedacht. Beschloss, eine neue Routine für euch zu erfinden. Habe sie gleich am Publikum ausgetestet, für gut befunden und da ist sie auch schon. Sie ist sogar noch schön warm, dampft und riecht nach frisch geöffnetem Kartenspiel.
Also ran an die Kartenschachtel!
Für die Beschreibung gehe ich davon aus, dass es ich um ein Bicycle Rider Back Pokerspiel handelt. Selbiges nehmt ihr jetzt aus der Hülle in die linke Hand – in Austeilposition. Die Hülle legt ihr auf den Tisch. Mit der aufgedruckten Kartenrückseite nach unten und der Öffnung im 45 Grad Winkel nach links vorne weisend.
Das Kartenspiel nun ein paar Mal überhandmischen. Dabei schön aufpassen, dass die Zuschauer die unterste Karte nicht sehen können. Jetzt dreht ihr die Karten mit der Rückseite in Richtung Publikum und macht ein vertikales Kartenband von der linken Hand in die rechte Hand, um die Zwillingskarte der untersten Karte aus dem Spiel herauszusuchen.
Gehen wir davon aus, dass die Herz 5 unten liegt. Dann sucht ihr also nach der Karo 5. Sobald ihr an der Karo 5 angekommen seid, trennt ihr das Kartenband. Setzt die Karo 5 um eine halbe Kartenlänge nach oben. Und schließt das Kartenband. Mit der rechten Hand dreht ihr die Karte aus dem fast egalisierten Spiel heraus und und gebt sie zwischen Daumen und Finger der linken Hand. Die linke Hand hält jetzt gleichzeitig das Kartenspiel und die einzelne Karte.
Die rechte Hand nimmt die Kartenschachtel auf und dreht es mit der aufgedruckten Rückseite in Richtung Zuschauer. Nun gebt ihr die einzelne Karte in die Kartenschachtel.
Meine Damen und Herrn, Vorhang auf für die Tricktechnik. Es geschehen zwei Dinge gleichzeitig. Der linke Daumen schiebt die Herz 5 ein kleines Stück nach rechts. Die rechte Hand schiebt die Kartenschachtel komplett hinter das Kartenspiel, bis die Finger auf der Vorderseite der Kante der Herz 5 zu liegen kommen. In einer fließenden Bewegung lasst ihr die Hände aus Brusthöhe sinken, bis sich die Unterarme parallel zum Boden befinden und dreht dabei die Kartenschachtel inklusive der Herz 5 um. Das Umdrehen erfolgt so, wie das Umdrehen einer einzelnen Karte auf dem Spiel, um z. B. zu zeigen, dass eine Karte im Spiel nach oben gewandert ist (das wäre auch mal ein toller Effekt, gell).
Nach dieser Bewegung zeigt die Öffnung der Kartenschachtel auf den von euch aus gesehen rechten Arm des am weitesten rechts sitzenden Zuschauers. Jetzt wird die Schachtel geschlossen und mit der darauf liegenden Karte auf den Tisch gelegt, wobei die Öffnung im 45 Grad Winkel nach rechts zeigt.
Ja, genau die Karte liegt die ganze Zeit offen sichtbar auf der Kartenschachtel. Wenn einer wirklich hinsehen würde, könnte er sie sehen, wenn er denn wüsste, dass sie da ist. Aber es gibt ja auch noch mehr Aufmerksamkeitslenkung. Das Kartenspiel gebt ihr einem links von euch befindlichen Zuschauer zum Mischen. Anschließend hebt er das Spiel irgendwo ab und ihr nehmt ihn den abgehobenen Teil mit spitzen Fingern aus der Hand und legt es….
Richtig! Genau auf die Kartenschachtel und die darauf befindliche Karte. Jetzt noch schnell dem Zuschauer am restlichen Stapel zeigen, dass er an jeder Karte hätte abheben können (und schon wieder dezent bewiesen, dass die Karten alle unterschiedlich sind). Die Kartenschachtel mit allen Karten, die darauf liegen, aufnehmen. Die Karten in die linke Hand fallen lassen und dabei umdrehen, um dem Zuschauer zu zeigen, wo er abgehoben hat. Nichts mehr aus den Händen legen! Mit dem Kartenstapel in der Hand die Kartenschachtel öffnen und die Rücken oben darin liegende Spielkarte auf den Kartenstapel gleiten lassen.
Trommelwirbel – und zeigen, dass der Zuschauer ein ganz braver und toller, ja, ja ein ganz guter war und die richtige Zwillingskarte gefunden hat. Applaus für den Zuschauer und natürlich auch ein bisschen für euch. Gage einstecken und ab zu McDonalds – es sei denn, da war schon der Auftritt. Und morgen gibt’s das Ganze dann auch als Video.
Zwillingskarte II
© 2008 Peter Kühn-Bold