Zwillingskarte die Zweite
In der letzten Ausgabe des Tricks der Woche haben wir uns mit der Zwillingskarte I beschäftigt. Da es damit ja schon zur Gewohnheit wurde, befassen wir uns heute mit ihrem Zwilling. Der Effekt bleibt der gleiche: Ein Zuschauer findet die Zwillingskarte einer vom Zauberer vorher ausgewählten Karte.
Neu ist die Methode. Dieses Mal muss keine Karte auf der Kartenschachtel liegen, was die Routine unter bestimmten Bedingungen leichter vorführbar macht. Nach dem Studium dieser Anleitung kennt ihr also schon zwei verschiedene Methoden, um einem Zuschauer eine Karte eurer Wahl unterzumogeln. Die gleichen Methoden könnt ihr aber nicht nur für ein Forcieren (wie bei der Zwillingskarte) verwenden, sondern auch für andere Effekte, bei denen man zum Beispiel dem Spiel eine Trickkarte hinzufügen muss oder sich eine Karte in eine andere verwandeln soll.
Die neue Methode ist aus verschiedenen Gründen entstanden. Erstens ist mir beim Vorführen der ersten Version im Freien die Karte von der Kartenschachtel geweht, das Interesse an einer etwas wetterfesteren Version war also schnell geweckt. Zweitens bin ich am nächsten Tag klimaschonend mit der S-Bahn zu einem Auftritt gefahren. Die damit frei werdende Zeit muss ja auch irgendwie gefüllt werden. Und drittens möchte ich auch zeigen, wie sich eine Routine mit der Zeit entwickeln kann und man damit zu neuen Methoden und Präsentationsformen findet.
Also, los geht’s mit der Zwillingskarte II, unserem Trick der Woche.
Bei der Beschreibung gehe ich wieder davon aus, dass ihr diesen Kartentrick mit einem Bicycle Rider Back Kartenspiel vorführt. Ihr könnt aber auch jedes andere Spiel verwenden, dass in einer Kartenschachtel aus Pappe geliefert wird, die über eine kleine Aussparung zum besseren Öffnen verfügt.
Die neue Methode hat, nach meinem Dafürhalten, einen entscheidenden Nachteil. Sie erfordert eine kurze Vorbereitung und kann deshalb nicht so spontan wie Zwillingskarte I vorgeführt werden. Die Vorbereitung besteht darin, dass ihr die oberste Karte des Spiels umdreht, bevor ihr es in die Kartenschachtel gebt. Das Spiel befindet sich also mit der Rückseite nach oben und einer darauf mit der Rückseite nach unten liegenden Karte – in der mit der aufgedruckten Kartenrückseite oben liegenden Kartenschachtel. So der Satz war jetzt arg lang aber dafür auch nicht besonders übersichtlich. Egel, wer zaubern will – will leiden.
Zur Vorführung nehmt ihr jetzt die Kartenschachtel mit der rechten Hand von oben auf. Der Daumen liegt auf der linken Seite – Mittel-, Ring- und Kleinfinger auf der rechten. Nach dem Öffnen der Lasche legt sich die Spitze des Zeigefingers in die Aussparung der Kartenschachtel und damit auf die oberste Karte. Damit wird die oberste Karte beim „Heraussschleudern“ der Karten in der Schachtel zurückgehalten. Die Schachtel wird nun herumgedreht und mit der Rückseite nach unten sowie dem Boden in Richtung der Zuschauer auf dem Tisch abgelegt. Die Lasche bleibt dabei geöffnet.
Jetzt sucht ihr die Zwillingskarte der Karte, die sich in der Kartenschachtel befindet, aus dem Spiel heraus und steckt sie quer unter die Schachtel. Lasst den Zuschauer das Spiel mischen und an irgendeiner Stelle auf eure Hand abheben.
Enter stage left: Die Tricktechnik.
Mit der rechten Hand nehmt ihr die Schachtel so auf, dass die Lasche in Richtung der Zuschauer zeigt. Scheinbar tippt ihr nun das Kartenspiel mit der Kartenschachtel nur an. Dabei legt ihr die Lasche über die vordere Kante des Spiels. Da der hintere Teil der Schachtel höher liegt als der vordere Teil, gleitet die Zwillingskarte dabei ein wenig auf das Spiel. Daumen und Mittelfinger der linken Hand halten die Karte fest und die Kartenschachtel wird nach hinten weggezogen. Mit der Kartenschachtel tippt ihr dann noch auf die einzelne Karte, die auf dem Tisch liegt.
Unverbindliche Textempfehlung: „Du hast das Spiel an irgendeiner Stelle abgehoben (tipp, tipp) und ich habe vorher schon eine ganz bestimmte Karte auf den Tisch gelegt (tipp, tipp).“
Jetzt müsst ihr nur noch außerordentlich effektvoll zeigen, dass es sich bei der Karte auf dem Spiel und der Karte auf dem Tisch um Zwillingskarten handelt. Und schwupp dich, schon habt ihr das Casting für The Next Uri Geller II in der Tasche. Weil das Ganze nur drei Haltestellen gedauert hat, lest ihr an gleicher Stelle bald, was mir in der Bahn noch so eingefallen ist.
© 2008 Peter Kühn-Bold